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"Wenn das ECE kommt, geht
Soest kaputt"
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Bürgerinitiative will mit
Macht das Einkaufszentrum am Bahnhof verhindern
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| Die Bürgerinitiative
„Vorwärts mit Soest ohne ECE" will das geplante 20 000 Quadratmeter
große Einkaufscenter am Bahnhof mit aller Macht verhindern. In einem
Interview erklären die Sprecher Ursula Weihs, Walter Raubaum und Bernd
Grüttner, warum sie gegen das ECE sind. |
WESTFALENPOST:
Seit etwa
fünf Jahren ist bekannt,
dass am Bahnhof ein Center entstehen soll. Warum gibt es erst jetzt eine
Initiative dagegen? |
| WALTER RAUBAUM: Die
jetzige Planung ist keine Ergänzung mehr zum Einzelhandelsangebot
in der Innenstadt, sondern ein kompletter Ersatz. Alles, was es im Augenblick
in der Stadt gibt, soll in diesem Zentrum nochmal angeboten werden. |
| WESTFALENPOST: Warum
woIlen Sie denn den Soestern solche komfortablen Einkaufsmöglichkeiten
vorenthalten? Wir leben ja in einer Marktwirtschaft. |
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Sorgt sich um die Zukunft von Soest, wenn das geplante Einkaufszentrum
am Bahnhof realisiert wird: BI-Sprecher Walter Raubaum |
| RAUBAUM: Wenn
es wirklich etwas wäre, was zu dem bisherigen Angebot dazukommt, ja.
Aber das ist es ja nicht. Wir werden dafür an anderer Stelle ganz
entscheidend verlieren. Die Stadt wird insgesamt dadurch mehr verlieren
als sie gewinnt. |
| WESTFALENPOST: Ein
Investitionsvolumen von 80 Millionen Euro, von 500 neuen Arbeitsplätzen
ist die Rede, dann der Durchstich zum Soester Norden, ein neues Kino -
sind Ihre Motivationen, das ECE zu verhindern, im Vergleich dazu nicht
recht egoistisch? |
| URSULA WEIHS:
Finden Sie es egoistisch, wenn Einzelhändler ihre Interessen vertreten
und die ihrer Mitarbeiter und von deren Familien? Daran hängen Existenzen.
Wenn der Einzelhandel funktioniert, funktioniert die ganze Stadt. |
| WESTFALENPOST:
Sie zweifeln die Datenerhebung des Lademann-Gutachtens an. Ist das nicht
eine Ausrede, um sich nicht mit den Inhalten und Aussagen des Gutachtens
auseinander zu setzen? |
| WEIHS: Man
muss davon ausgehen, dass das Gutachten die falschen Fragen stellt. Das
Thema des Gutachtens ist: Wie richtet die Stadt alles ein, damit das ECE
gut funktioniert? Die Frage muss aber eigentlich lauten: Wie verträgt
diese Stadt das ECE? |
| GRÜTTNER:
Man kann nicht erwarten, dass man 20 000 Quadratmeter neben 36 000 Quadratmeter
setzen kann und das funktioniert. Es müssten dann etwa 60 Prozent
mehr Leute in Soest einkaufen als heute. Das ist völlig unrealistisch. |
| WESTFALENPOST:
Wenn Soest das ECE nicht bekommt, bekommt es eine Nachbarstadt. |
| WEIHS: Lieber
in einer Nachbarstadt, als in Soest alle Läden kaputtzumachen. |
| RAUBAUM: Diejenigen,
die am nächsten am ECE dran sind, haben die größten Probleme.
Wenn das ECE nach Soest kommt, wird Soest am ehesten kaputtgehen, wenn
es nach Lippstadt kommt, wird Lippstadt als erstes kaputtgehen, und wir
werden etwas bessere Chancen haben. |
| WESTFALENPOST: WVv-Sprecher
Bernhard Duffe hat gesagt, die Kaufleute sollen versuchen, die Besucherströme
vom ECE in die Fußgängerzone zu locken. Das ist doch eigentlich
positiv. |
| WEIHS: Wenn
das gelingt, dann hat der ECE-Manager versagt. Diese Center sind autark
geplant, da ist alles drin, was Sie brauchen: Parkplätze, Zuwegung
und der Branchenmix wird auch optimal gestaltet, weil der Manager Einfluss
darauf nehmen kann. |
| GRÜTTNER:
Es wird jeder Kunde erst mal ins ECE fahren, weil dort in jedem Fall ein
Parkplatz ist. Damit wird jedes Interesse entzogen, in der Innenstadt zu
parken. Das Konzept ist so angelegt, dass man nicht mehr in die Stadt muss. |
| WESTFALENPOST:
Wenn das ECE kommt, muss die Innenstadt also kapitulieren? |
| RAUBAUM: Die
Brüderstraße ist in dem Augenblick, in dem |
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Ursula Weihs: "Wir Soester haben in den letzten Jahren das Genöle
ein bisschen zu sehr gepflegt". |
| das ECE steht und die Pforten
öffnet, unattraktiver, weil die Filialisten ihre Läden verlassen
und ins ECE gehen. |
| WESTFALENPOST:
In der initiative haben sich unterschiedlichste Soester zusammengefunden.
Skizzieren Sie, welche Interessen Sie verbindet. |
| GRÜTTNER: Jeder
in dieser Initiative hat natürlich auch eigene Interessen - ob Architekten,
Städtebauer oder Kaufleute, die um ihre Existenz fürchten. Das
ist aber völlig legitim. |
| WEIHS:Es
sind viele Leute dabei, die es als Lebensqualität empfinden, was diese
Stadt zu bieten hat. Wir Soester haben in den letzten Jahre das Genöle
ein bisschen zu sehr gepflegt. Das motiviert nicht unbedingt. Das was jetzt
passiert, das motiviert viel mehr. |
| WESTFALENPOST:
Wie schätzen Sie die Stimmung in der gesamten Bevölkerung ein? |
| WEIHS:
Wie ich es erlebe, ist es eine ganz große Menge an Menschen, die
sich Gedanken um diese Stadt macht. Sofern sie informiert sind. Ich erlebe
jeden Tag, dass man mich fragt: Wieso wehrt ihr euch denn dagegen? Und
nach zwei Minuten habe ich sie umgestimmt. Sie wissen nicht, was in welcher
Größenordnung auf sie zukommt. |
| GRÜTTNER:
Es ist tatsächlich so, dass viele über den Charakter dieses ECE
nicht informiert sind. Und wenn man es ihnen klarmacht, ist die erste Reaktion:
Warum soll das kommen? Dann ist die Fußgängerzone kaputt. Das
ist unsere Erfahrung. |
| RAUBAUM: Die
Gesamtsituation ist schwierig einzuschätzen ist. Leute, die uns zustimmen,
tun sich leichter, zu uns zu kommen, als Leute, die für ECE sind.
Was wir wahrnehmen, ist eine sehr, sehr große Zustimmung zu uns. |
| WESTFALENPOST: Wie
bewerten Sie denn den Informationsstand der Politiker? |
| RAUBAUM:
Wir haben einige wachgerüttelt, die gemerkt haben, dass ihnen Informationen
vorenthalten worden sind. Die haben jetzt eine kritischere Haltung eingenommen.
Bei den Grünen und der SPD hat ein deutliches Nachdenken stattgefunden.
Während CDU und BG sich bisher den Gesprächen verweigert haben.
Manchmal kann ich nur staunen. Zum Beispiel, wenn die CDU sich hinter das
Center stellt, ohne das Verkehrsgutachten zu kennen. |
| WEIHS: Manche
Politiker sind grob fahrlässig. Manche sind einfach nicht unterrichtet. |
| WESTFALENPOST: Die
Architekten haben ein Gegenkonzept vorgestellt. Wie realistisch ist es,
dieses Konzept umzusetzen? Gibt es schon Investoren? |
| RAUBAUM:
In der augenblicklichen Situation, mit der Drohung ECE überm Kopf,
wird kein Mensch in die Altstadt investieren. Trotzdem werden wir weiterhin
an Alternativen arbeiten. |
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Zitate
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Das wird ein autarkes Gebäude,
das völlig unabhängig von den Geschäften in der Umgebung
existieren kann.
Walter Raubaum |
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Wenn die Wirtschaft funktioniert,
ist die ganze Stadt voller Leben, weil das Geld und die Kaufkraft ja in
dieser Stadt bleiben und nicht durch das ECE aus dieser Stadt abgezogen
werden.
Ursula Weihs |
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Buchhändlerin und BI
Sprecherin Ursula Weihs |
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Man will uns weißmachen,
dass ECE sei eine Erweiterung. Der einzige, der davon profitieren wird,
ist das ECE selbst.
Bernd Grüttner |
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Wenn die Lippstädter sich
mit einem ECE ihre Stadt kaputt machen wollen, sollen sie es holen. Wir
wollen es nicht haben.
Walter Raubaum |
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Auf der anderen Seite wird überhaupt
nicht darüber mokiert, dass ein Konzern wie Otto groß Knete
machen will, und dem es völlig egal ist, ob die Stadt kaputt geht.
Bernd Grüttner |
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Wenn gesagt wird, es wird Donnerstag
noch nichts entschieden, ist das glatt
gelogen
Walter Raubaum |
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