Das "ECE-Einkaufscenter" Soest am Bahnhof - Gigantisch
Busbahnhof - Niere - Häuser - und sogar Binnerwall müssen weichen

WP - Leserbrief vom 13. November 2002


Soest wird Flair verlieren
Das ECE-Syndrom: Schon jetzt mehr Verkaufsfläche als Berlin
 
Betr.: ECE-Center
 
"Nach der allgemeinen ECE-Euphorie sollten auch Bedenken erlaubt sein. Nicht, dass wir ECE mies machen wollen - wir halten nur ein solches Projekt im Hinblick auf die erweiterten Einkaufgsmöglichkeiten am Riga-Ring, auf die geplante Famila-Vergrößerung und auf das Vorhaben an der Arnsberger Straße für zu bombastisch. 20 000 Quadratmeter entsprechen der Hälfte des gesamten bisherigen Innenstadt-Potenzials inklusiv der vielen Leerstände.
Großzügig bietet ECE die Hälfte der Geschäfte im Center unseren heimischen Händlern an. Doch was macht man dann mit den jetzigen Läden? Leerstand oder Umbau in Wohnungen, Büros, Praxen, Kneipen, Pommes-Buden, Andenkenläden?
Statt sich die Glitzer-Paläste in den Großstädten Wuppertal und Siegen anzuschauen, wäre eine Fahrt der Soester Reisegruppe ins nahegelegene ECEAllee-Center in Hamm billiger und aufschlussreicher gewesen.
Denn ECE Soest müsste Käufer von dort weglocken, um auf 280 000 Kunden zu kommen, damit es sich rechnet. Neben der Attraktivität des Neuen und regelmäßigern Shopping-Events soll das mittelalterliche Ambiente der Innenstadt als weiteres Zugpferd dienen. 
Das Soester Flair wird vermarktet, aber auch auf der Strecke bleiben.
Wir kennen das aus Düsseldorf, wo - infolge gesunkener Einwohnerzahlen - an Wochenenden aberhunderte Busse und Einkaufstouristen von nah und fern anrollen. 
In der einst schönen Altstadt herrscht dann Rummel wie in Rüdesheim, und Einheimische fühlen sich nicht mehr wohl. Das gleiche Schicksal wird Soest ereilen. 
Ein ECE-Center am Bahnhof wird deutlich mehr Verkehr bringen. jedoch zeigt die Erfahrung, dass der Reiz des Neuen nach wenigen Jahren nachlässt.
Die Nachbarstädte werden mit noch größeren, noch moderneren Kristall-Palästen anworten, um ihrerseits mitzuhalten
Verdrängungswettbewerb ist eine endlose, ruinöse Spirale. Seit vielen Jahren klagt der Einzelhandel - nicht nur bei uns - über schlechte Renditen. Wann kapiert man endlich, dass die Wachstumsraten früherer Jahre vorbei sind?
Erstens sind die natürlichen Marktstimulanzen (wie Geburten) rückläufig, zweitens haben die nachfrageerzeugenden Zuwanderungen nachgelassen, drittens wird die demographische Entwicklung auch in unserer Region keine nachhaltige Wirkung erzeugen, viertens - und das ist hausgemacht - hat Soest ein Mehrfaches an Verkaufsfläche pro Einwohner als zum Beispiel das boomende Berlin.
Dieses Überangebot stammt noch aus der Zeit, als Militärangehörige hier ihren Sold ausgaben.
Alle diese Fakten sollten von unseren städtischen Entscheidungsträgern berücksichtigt werden. Und auch, dass bereits Kerber und WEKA hier gescheitert sind: Das ECE ist für Soest zwei Nummern zu groß. Der hiesige Einzelhandel sollte lieber aus dem Dornröschenschlaf erwachen und selbst durch kluges Marketing die Probleme meistern!)
Klaus und Karin Schmedtmann
Christian-Rohlfs-Weg 4
59494 Soest


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