Das "ECE-Einkaufscenter" Soest am Bahnhof - Gigantisch
Busbahnhof - Niere - Häuser - und sogar Binnerwall müssen weichen

Soester Anzeiger vom 27. Juli 2002 - kf -

Wie verändert das ECE die Einkaufslandschaft?
IHK hat die finanziellen Auswirkungen einer Ansiedlung am Bahnhof modellmäßig durchgerechnet. Umsatz aus der Region. Soest würde beim Textilienhandel deutlich gewinnen

SOEST
Erhebliche Auswirkungen auf den Standort Soest wird nach Meinung der Industrie- und Handelskammer Arnsberg (IHK) die Ansiedlung des ECE-Centers am Bahnhof haben. Gleichwohl kommt die Kammer zu dem Schluss, dass das Projekt für die Region weitgehend unbedenklich sei, erläutert Handelsreferent Thomas Frye.

Der Handelsausschuss der IHK hatte sich in diesen Tagen mit den beiden Großprojekten ECE am Bahnhof und Hellwegzentrum bei Famila beschäftigt. Dabei stießen die abgespeckten Familapläne auf Zustimmung, wobei es möglicherweise noch Klärungsbedarf in Sachen Sportanbieter gebe, erläutert Frye.

Über das ECE diskutierte das Gremium ausführlich. Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer und Wirtschaftsförderer Ferdinand Griewel stellten die Pläne vor. Frye beleuchtete, welche Auswirkungen ein ECE mit rund 20 000 Quadratmetern Verkaufsfläche auf die Region hat. Dabei machte er eine Modellrechnung auf.

Das ECE-Zentrum hat etwa einen Einzugsbereich von 300 000 Einwohnern. 

Frye erwartet, dass davon die Hälfte aus dem unmittelbaren Soester Bereich kommt, etwa im Radius zehn Kilometer. Die andere Hälfte wird einen Anfahrtweg bis zu 30 Minuten (etwa 30 Kilometer) haben.
Umsatzerwartungen bis 70 Millionen Euro
Die ECE-Verkaufsfläche wird vermutlich zu knapp 5000 Quadratmetern mit einem SB-Warenhaus belegt. Gut 15000 Quadratmeter dürften ein so genanntes Citysortiment bekommen. Frye erwartet für den Citybereich einen Jahresumsatz von 62 bis 70 Millionen Euro. Für das SB-Warenhaus schätzt er das Volumen auf 15,5 bis 17,5 Millionen Euro.

Im Soester Naheinzugsbereich beträgt das Kaufkraftvolumen etwa 230,5 Millionen Euro. Frye hat nun angesetzt, dass das ECE aus diesem Einzugegebiet etwa 60 Prozent seines Umsatzes holt. Das würde bedeuten, dass das ECE hier 16 bis 18 Prozent der Kaufkraft abschöpfen würde. Für den erweiterten Einzugsbereich (Kaufkraftvolumen 742 Mio. Euro) hat der Experte eine Kaufkraftabschöpfung von drei bis vier Prozent hochgerechnet.

"Das ist deutlich unter der kritischen Marke von zehn Prozent", erläutert Frye, soll heißen, dass Auswirkungen auf Nachbarn nicht so groß sind, dass landesplanerisch eingegriffen werden müsste.

Es gibt aber einen Sonderfall. Erfahrungsgemäß sind in ECE-Zentren bis zu 70 Prozent der Verkaufsfläche mit Textilien belegt, die eine Leitfunktion für die Städte haben. Rechnet man die erwarteten Umsätze dieser Branche auf die Region um, dann könnten bis zu 22 Prozent der Kaufkraft im erweiterten Einzugsbereich vom ECE abgeschöpft werden. Das sei durchaus ein kritischer Wert.

Der nördliche Teil der Brüderstraße, ab Saturn,  heute nur zweite Wahl. 
Mit ECE aber erste Adresse

Für den Standort Soest allerdings könne das ECE in Sachen Textilien nur eine Aufwertung bringen. Denn die vorhandene Kaufkraft von 26,9 Millionen Euro werde nur zu 70 Prozent abgeschöpft. "Textilien sind eindeutig die Schwäche des Standorts Soest", diagnostiziert Frye. Das trage maßgeblich zu dem schlechten Soester Handelsimage bei. Während die Stadt in der Region für den gesamten Handel mit 156 die höchste Zentralitätskennziffer besitzt, kommt sie bei Textilien gerade mal auf magere 70.

Frye fordert in Sachen ECE ein neutrales Gutachten, in dem die Auswirkungen einer möglichen Ansiedlung genauer betrachtet werden. 


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