Das "ECE-Einkaufscenter" Soest am Bahnhof - Gigantisch
Busbahnhof - Niere - Häuser - und sogar Binnerwall müssen weichen

Soester Anzeiger vom 29. März 2003 - hs -


"Entweder 1a oder gar nicht"
Im innerstädtischen Einzelhandel geht es zur Sache. ECE-Ansiedlung beschleunigt Trend zur Konzentration. Jakobi-, Rathausstraße und Grandweg "entwickeln sich zurück"

Der Wandel im Torley-Haus in der Jakobistraße ist für Wirtschaftsförderer Ferdinand Griewel symptomatisch. 
Das Objekt diente viele Jahre als Sportfachgeschäft; nun aber wird hier nichts mehr verkauft, sondern es wird massiert und therapiert, nachdem ein Physiologe die Räume übernommen hat. 
Steht erst einmal das ECE-Center am Bahnhof, dürfte sich dieser Trend verschärfen: 
Der Einzelhandel, sofern er nicht ganz Besonderes oder hoch Spezielles zu bieten hat, wird aus der Jakobistraße, aber auch aus Grandweg und womöglich auch Rathausstraße verschwinden.
Im Jargon de! Wirtschaftsexperten heißt das: „Die lb-Lagen entwickeln sich zurück." Griewel spricht sogar von einem „Paradigmenwechsel", der unumkehrbar sei und unabhängig vom Bau des großen Einkaufszentrums am Bahnhof erfolge.
Die Kunden nämlich würden „immer anspruchsvoller", möchten sämtliche Angebote auf engstem Raum vorfinden und seien nicht mehr bereit, lange Fußgängerzonen geschweige denn noch einige Nebenstraßen auf und ab zu laufen.
„Die Brüderstraße wird doppelt profitieren"
Händler, die neu nach Soest kommen wollen, fragen nur nach der la-Lage an, berichtet der Wirtschaftsförderer. Wer jetzt investiert, will nur erstklassige Lagen, alles andere sei uninteressant.
Doch wo liegt künftig die la-Lage in Soest und wo endet sie? 
Bürgermeister Eckhard Ruthemeyer muss auf eine solche Frage nicht lange überlegen: Allein die Brüderstraße sei la, und schon am Markt ist Schluss.
„Die Brüderstraße wird doppelt profitieren", meint Griewel. Hier werden künftig die höchsten Umsätze erzielt, hier können Eigentümer die höchsten Mieten nehmen.
Zumindest diesen Teil der Fußgängerzone, die kaum noch Leerstand kennt, hat auch ECE-Manager Jörg Barizhaf im Auge, wenn er sagt: „Wir sind vital auf die Kooperation mit der Innenstadt angewiesen. Es nützt uns nichts, wenn unser Center voll und der Rest leer ist." Denn allein mit dem Einkaufszentrum könne man nicht die gewünschten Massen aus dem Umkreis nach Soest ziehen.
Verlierer dieser Entwicklung sind die Kaufleute am südlichen Ende der Innenstadt. 
Ihnen drohen, so hatte gestern erst eine Buchhändlerin in einem Anzeiger-Leserbrief deutlich gemacht, „Pleiten und Entlassungen", da sie nicht im Einzugsgebiet des ECE liegen.
Auf die Wirtschaftsförderer wird deshalb eine DoppelAufgabe zukommen. Es reicht eben nicht, die Investoren am Bahnhof zu begleiten und ihnen das Feld zu bereiten. Vielmehr sind sie auch dem Handel abseits der Brüderstraße verpflichtet, der vor gewaltige strukturelle Veränderungen gestellt wird.

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