Das "ECE-Einkaufscenter" Soest am Bahnhof - Gigantisch
Busbahnhof - Niere - Häuser - und sogar Binnerwall müssen weichen

Soester Anzeiger-Interview vom 22. Mai 2003


"Die Fußgängerzone wird leergeräumt"
ECE Anzeiger-Interview mit Ursula Weihs, Sprecherin der neuen Initiative, die das Einkaufszentrum am Bahnhof verhindern will. "Soester Politiker haben in Siegen nicht richtig hingeschaut"

Die Initiative „Vorwärts mit Soest - ohne ECE" kommt in Fahrt, 80 Soester kamen zur Auftakt-Runde. Eine der Sprecherinnen ist Ursula Weihs. Die Buchhändlerin hat schon einmal in Soest als Elternvorsitzende des Aldegrever-Gymnasiums eine Initiative erfolgreich geführt und so der Schule zu einer neuen Turnhalle verholfen. Holger Strumann sprach mit Ursula Weihs, 54, über die neue Aufgabe.
Frau Weihs, Überrascht Sie der Zulauf, den Ihre AntiECE-Initiative gerade erfährt?
Weihs: Da sind wir schon sehr überrascht, denn das Ganze hat sich erst in der vergangenen Woche entwickelt.
Bereits im vergangenen Jahr hat der Stadtrat eine Grundsatzentscheidung für das Projekt gefällt. Warum kommt die Initiative erst jetzt?
Weihs: Erst jetzt kommt so langsam durch, dass man das Ganze ernst nehmen muss. Viele Bürger sind gar nicht informiert, was auf diese Stadt zukommt. Wenn sie die Einzelheiten erfahren, fällt vielen das Kinn runter. "Das ECE macht rundherum alles platt", befürchtet Ursula Weihs
Was stört Sie an dem Projekt?
Weihs: All die Punkte aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen. Deshalb nur einige Stichworte: Es sind nicht nur Kaufleute und Hausbesitzer, sondern viele Gruppen, die mitziehen - etwa der Geschichtsverein, die Initiative „Lebendige Innenstadt" und viele Bürger, die sich Gedanken um ihre Stadt machen. Was mir inhaltlich am wichtigsten erscheint, ist die voraussehbare negative Auswirkung auf die Innenstadt. In Siegen oder in Hamm konnten wir sehen, wie das ECE alles rundherum platt gemacht hat.
Die Soester Politiker haben sich doch in Siegen umgesehen und umgehört? 
Weihs: Was haben sie in Siegen gemacht? Sie haben sich das ECE von Innen zeigen lassen, den Manager befragt und noch den Wirtschaftsförderer und den Bürgermeister. Sie hätten aber weitergehen müssen in die Altstadt - die ist kaputt.
Selbst die Befürworter des ECE in Soest bestreiten nicht, dass es Veränderungen geben wird und die la-Lage demnächst schon am Markt endet.
Weihs: Das ist eine sehr optimistische Einschätzung. So  wird es nicht aussehen.
Sondern?
Weihs: Die Fußgängerzone wird leer geräumt werden. Bedenken Sie, dass die Filialisten wie Saturn und H&M, die auch als Magnete angesiedelt worden sind, Rahmenverträge mit ECE haben und verpflichtet sind, dort einzuziehen. In dem Zusammenhang wüsste ich von Herrn Ruthemeyer gerne eine Alternative, die er sich für die Fußgängerzone vorstellt.
Dies sind originäre Interessen der Geschäftsleute. Aber inwieweit interessiert das die breite Bevölkerung, die vielleicht nur Spaß an solchen Einkaufszentren haben will?
Weihs: Wer Spaß an solchen Zentren findet, wird es kaum anders einschätzen wollen. Ich sehe bisher aber nur Leute, die mehr, Spaß daran haben, eben nicht in so einem austauschbaren, anonymen Zentrum zu kaufen, sondern individuelle Dinge bevorzugen. Diese amerikanische Einkaufswelt mag ja glitzernd und schön sein. Doch die meisten Leute wollen eine andere Lebensqualität: mit freiem Himmel und frischer Luft und nicht chemisch aufbereitet, die schon durch 50 andere Lungen gegangen ist.
Alle Fraktionen im Soester Stadtrat haben bisher für das ECE gestimmt. Wie beurteilen Sie Ihre Chancen,
noch eine Kehrtwende herbeiführen zu können? 
Weihs: Ich sehe die Chance durchaus, weil ich sicher bin, dass unsere Politiker nicht vollkommen an Vernunft und objektiver Wahrnehmung der Bürger vorbeientscheiden wollen. Oder ist es wünschenswerter, dass der Rat die Förderung des Otto-Konzerns (ihm gehört die ECEGruppe, Red.) übernimmt, denn das ist die Alternative.

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