Das "ECE-Einkaufscenter" Soest am Bahnhof - Gigantisch
Busbahnhof - Niere - Häuser - und sogar Binnerwall müssen weichen

Soester Anzeiger vom 1. Juli 2003 - hs - Foto: Niggemeier

Sogar Gutachter tun sich schwer mit neuer Straße
Experten schildern auf 19 Seiten, warum Verkehr Haken schlagen muss. Nebeneinander von Bussen und Passanten „hat sich am Markt bewährt"

Zwei Tage vor den entscheidenden Sitzungen des Stadtrats und des Bauausschusses hat die Verwaltung das Verkehrsgutachten für das geplante ECE-Einkaufszentrum vorgelegt. 
Überraschende Neuigkeiten enthält es nicht; vielmehr wird auf 19 Seiten ausgebreitet, wie Autofahrer künftig ein paar Haken schlagen müssen, um das ECE zu umrunden.
Im Gegensatz zum Einzelhandels-Gutachten, das vor 14 Tagen vorgelegt wurde, steht bei dem Verkehrs-Papier nicht die Stadt als Auftraggeber auf dem Deckblatt, sondern das ECE-Projektmanagement.
„Durchaus bewährt": Die vom ECE bestellten Verkehrsgutachter halten das Nebeneinander von Bussen und Fußgängern vor dem neuen Groß-Kaufhaus für unproblematisch, zumal es auch am Markt klappe. Dabei hat der Bauausschuss beschlossen, dass die Busse langfristig vom Markt verschwinden und durch die Gremlich-Passage rollen.
Zwei von drei Vorschlägen gleich wieder verworfen
Die Aachener Ingenieure sprechen von einer „erheblichen verkehrlichen Zäsur", die der ECE-Bau schaffe.
Denn das Groß-Kaufhaus soll direkt auf den Binnerwallring platziert werden, der rund um die Stadt führt und über den am Nachmittag stündlich bis zu 1400 Fahrzeuge rollen.
Drei Lösungen, von denen sie zwei gleich wieder verwerfen, fallen den Gutachtern ein:
1. Eine Untertunnelung des Kaufhauses; der Verkehr könnte also auf der alten Spur weiterrollen und würde praktisch durch den Keller des ECE fließen.
2. Eine Splittung der Straße in zwei Einbahnstraßen: Der Verkehr in Richtung Osten würde in etwa auf dem heutigen Binnerwallring bleiben und somit ECE und Fußgängerzone „trennen". Der Gegenverkehr würde am Bahnhof entlangführen.
3. Eine völlig neue Umfahrt mit Kreisverkehr, Kreuzungen und Schwenks um das Einkaufszentrum herum.
Genau diese dritte Lösung wird von den Gutachtern favorisiert - der Anzeiger berichtete bereits. Elegant ist das schon deshalb nicht, weil der Busverkehr künftig durch das nördliche Stück der Fußgängerzone führt. 350 Busse würden also jeden Tag unmittelbar vor dem Haupteingang zum ECE aufund abrollen.
„Ausreichende Leistungsfähigkeit"
Selbst den Aachener Gutachtern fällt in ihrer abschließenden „Zusammenfassung" am Ende der Expertise wenig ein, was sie für diese von ihnen selber ertüftelte Lösung in die Waagschale werfen könnten. 
Wörtlich heißt es in dem Papier: „Die ... Verlagerung des Innenstadtrings ... bewirkt zwar für einen Teil der Verkehre einen gewissen Umweg; als Gegenleistung hier
zu wird jedoch die weitgehend störungsfreie Integration des geplanten Bauvorhabens in die Innenstadt und damit auch eine erhebliche Attraktivitätssteigerung der Innenstadt erreicht."
Doch zu untersuchen, ob das ECE zu einer erheblichen oder sonstigen Attraktivitätssteigerung der Innenstadt beiträgt, war gar nicht der Auftrag der Verkehrsingenieure.
An anderer Stelle heißt es immerhin: Die Lösung 3 „entspricht den Anforderungen an eine ausreichende Leistungsfähigkeit und zügige Verkehrsabwicklung in vollem Umfang".
Dass sich vor dem ECE-Eingang Busse und Passanten künftig die Fußgängerzone teilen müssen, betrachten die Aachener Ingenieure als unproblematisch. Das Nebeneinander habe sich am Markt in Soest „durchaus bewährt".


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