Das "ECE-Einkaufscenter" Soest am Bahnhof - Gigantisch
Busbahnhof - Niere - Häuser - und sogar Binnerwall müssen weichen

Soester Anzeiger vom 5. Juli 2003



SPD legt Widerspruch ein
SOEST • Die SPD legt Widerspruch gegen den Beschluss den Bauausschusses ein, das Planverfahren für das ECEEinkaufszentrum zu starten. „So eine grundlegende Entscheidung gehört einfach in den Stadtrat", sagte Fraktionschef Prof. Werner Kirsch. 
Die Sozialdemokraten seien gespannt auf die Ratssitzung Ende des Monats; denn dann müssten sämtliche Ratsmitglieder Farbe bekennen. • hs
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 


BG reagiert überrascht
SOEST •  „Das ist alles äußerst unglücklich gelaufen", meint BG-Chef Rolf Strothkamp. Noch zwei Stunden vor der Bauausschuss-Sitzung hatte er betont, die beiden BG-Vertreter würden für eine Vertagung stimmen. Doch dann kam es anders. Immerhin, so Strothkamp, hätten die beiden erreicht, dass die ECE-Pläne „nur zur Kenntnis" genommen worden seien und nun die Bürger beteiligt würden. • hs
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 

 


„Lassen Sie die mal machen..."
Wer in Soest die Leute nach dem ECE fragt, bekommt dreierlei Antworten: Dafür, dagegen, „kann's nicht mehr hören". Aber eine Meinung hat jeder
SOEST •  „Ich kann es einfach nicht mehr hören" und „irgendwie hängt's einem zu den Ohren heraus". Längst nicht jeder wollte sich gestern in der Fußgängerzone auf das Thema ECE ansprechen lassen. Die meisten aber verfolgen die Diskussion intensiv und haben sich eine Meinung gebildet.
Elvira Pankratz ist gegen das ECE: „Die Stadt ist zu alt
und zu schön für so ein Monstrum. Das Vorhaben ist blanker Unsinn." Senda Prankratz meint: „Die Fußgängerzone wird sterben, das ist doch klar."
Eine andere junge Dame will ihren Namen nicht nennen, ist aber auskunftsfreudig: „Ich finde die Idee toll. Wissen Sie, ich arbeite hier als Textil-Verkäuferin und sehe selber, wie oft Soester woanders hinfahren, weil sie hier nichts finden." Und die Fußgängerzone? Naja, die sei sowieso jetzt schon tot, meint die Dame: „Lassen Sie die mal machen: Die Stadt wächst schließlich."
Oma Krüger ist richtig sauer: „Quatsch mit ECE - was hier fehlt, sind Lebensmittelgeschäfte in der Fußgängerzone. Wir alten Leute dürfen uns abschleppen."
Irmgard Schmitz: „Die Fußgängerzone ist tot, wenn das ECE kommt, aber das Angebot ist auch so nicht das beste." Die Dame vom Kiosk am Bahnhof meint: „Das Ding wird am Anfang Riesenzulauf haben, und dann läuft sich das tot: Ich kenne das vom Allee-Center in Hamm. Einmal war ich drin, und ich war so was von enttäuscht." • brü

KOMMENTAR

Alle müssen was davon haben
Eine turbulente Woche geht zu Ende. Das ECE-Vorhaben hat eine wichtige Hürde genommen. Glaubt man CDU und BG, soll nun die eigentliche Diskussion beginnen. Denn noch sei alles offen. Der Beweis dafür steht aus. Am ehesten ließe er sich erbringen, indem eine Art „Runder Tisch" initiiert wird, an dem alle Interessen vertreten sind.
Herauskommen sollte ein vernünftiger Kompromiss: ein Einkaufszentrum am Bahnhof in reduzierter Größe, eine überzeugende Verkehrsplanung und - zeitgleich - eine gewaltige Kraftanstrengung, um die Innenstadt zu stärken. Wenn alle drei Punkte bewältigt sind, wird es am Ende nur Sieger geben und Soest wäre ein gehöriges Stück vorangebracht.
Wer sich aber nur ums ECE kümmert, wird seinem Auftrag nicht gerecht, die Stadt als Ganzes zu begreifen und sich allen verpflichtet zu fühlen. • HOLGER STRUMANN


Zurück