Das "ECE-Einkaufscenter" Soest am Bahnhof - Gigantisch
Busbahnhof - Niere - Häuser - und sogar Binnerwall müssen weichen

Westfalenpost vom 27. Juni 2003 - (Lim)

In einem Bogen ums ECE-Gelände
Binnerwälle werden künftig unterbrochen / Kreisverkehr am Aldegreverwall / Busse kreuzen Fußgängerzone

Die Diskussion um das Einkaufszentrum am Bahnhof geht in eine (vor)entscheidende Phase. In der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am 3. Juli soll dabei auch beschlossen werden, wie der Verkehr künftig verläuft.
Aus der Luft:
Die Montage von Redakteur Rainer Kuhn deutet an, wie sich die Verkehrssituation im Bahnhofsbereich künftig gestaltet. Deutlich zu sehen st der Kreisverkehr am Aldegreverwall. Orange: ECE-Fläche Gelb: Verkehrsfläche
Verschiedene Varianten sind überprüft worden: Ein Tunnel, eine Straße durch das ECE, eine Brücke, die die ECE-Besucher über die Straße in die Fußgängerzone führt. Letztlich war keine der angedachten Möglichkeiten umsetzbar: mal nicht aus Kostengründen, dann wieder nicht wegen der schwierigen Höhenunterschiede.
Der Vorschlag, der jetzt auf dem Tisch liegt und mit Sicherheit heftigt diskutiert wird, sieht daher eine völlig neue Verkehrsführung rund um den Bahnhofsbereich vor: 
Der bisherige innere Ring, die so genannten Binnerwälle, werden auf Höhe des Brüdertores unterbrochen. 
Die Brüder-Walburger-Wallstraße wird parallel zum BahnhofsGelände weitergeführt und schwenkt dann in einem Bogen hinter dem ECE-Gebäude auf die Hammer Straße. 
Vom Aldegreverwall aus erfolgt der Anschluss durch einen Kreisverkehr.
„Die zentrale Frage so Alfons Tubes, Leiter der Abteilung Stadtentwicklung, „war von Anfang an, wie das ECE optimal an die Fußgängerzone angebunden werden kann." 
Um keine „künstliche Barriere" durch eine Straße entstehen zu lassen, muss der Verkehr daher umgeleitet werden. Gutachterlich soll diese Variante bereits geprüft und für akzeptabel befunden worden sein. Details zu der Expertenmeinung sollen Anfang der Woche öffentlich gemacht werden.
Der Autofahrer, der nicht ins ECE, wohl aber in die Innenstadt will, muss bei dieser Verkehrslösung einen Umweg von 400 Metern in Kauf nehmen. Für die Busse der RLG gilt dies allerdings nicht. Weil sie dabei zu viel Zeit verlieren würden, um Richtung Hansaplatz zu fahren, dürfen sie durch den Teil der Fußgängerzone fahren, der unmittelbar vor dem Eingang des Einkaufszentrum zur Brüderstraße liegt. 
„Der Begegnungsverkehr von Bus und Fußgänger ist in diesem Bereich akzeptabel", glaubt Bürgermeister Dr. Eckhard Ruthemeyer.
KOMMENTAR von Hans-Albert Limbrock
Ein bisschen weniger Tempo wäre ratsam
Ein bisschen viel, was man den Herren und Damen Politikern, die sich größtenteils in der Freizeit, nach Feierabend und am Wochenende mit den Geschicken dieser Stadt beschäftigen, zumutet: Innerhalb weniger Tage sollen sie sich mit einer komplexen Sitzungsvorlage beschäftigen, dazu die Gutachtermeinung berücksichtigen, die ihnen erst zwei Tage vorher mitgeteilt wird, und die Diskussion mit anderen Gutachtern einfließen lassen, die erst einen Tag vorher stattfindet.
Mag ja sein, dass auch nach der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Donnerstag in Sachen ECE noch alles offen ist. Bei der Frage der Verkehrsführung wird allerdings erwartet, dass sich die Politik weitgehend festlegt. Dabei ist die Kröte, die alle schlucken müssen, die für das Einkaufszentrum am Bahnhof sind, nicht ohne, und dürfte einigen nachhaltige Bauchschmerzen bereiten.
Aus Sicht des Investors ist die Eile verständlich. Je schneller gebaut werden kann, um so eher kommt Geld in die Kassen und rechnet sich damit das 80Millionen-Euro-Unternehmen.
Das allein darf aber kein Grund sein, derart mächtig aufs Gaspedal zu drücken, dass einige die Obersicht verlieren und sich irgendwann fragen werden: Was habe ich da eigentlich beschlossen?
Vorschlag: Am Donnerstag (notfalls) heftig diskutieren. Dann zwei, drei Wochen Pause und vor der Sommerpause in einer Sondersitzung einen Beschluss fassen.


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