Das "ECE-Einkaufscenter" Soest am Bahnhof - Gigantisch
Busbahnhof - Niere - Häuser - und sogar Binnerwall müssen weichen

Westfalenpost  vom 3. Juli 2003 - Hans-Albert Limbrock - Foto-Montage: Rainer Kuhn

Die Gutachten werfen weiter viele Fragen auf
Über vierstündiger Fragemarathon im Rat

 Über vier Stunden standen gestern im Rat die beiden Gutachter Uwe Seidel (Einzelhandelsgutachten) und Dr. Peter Hohle (Verkehr) den Ratsmitgliedern Rede und Antwort.
Zu Beginn der Sitzung waren es gut 150 Zuhörer, die der Sitzung, die wegen des Publikumsinteresses eigens in den Blauen Saal verlegt worden war, folgten. 
Mit zunehmender Dauer leerte sich allerdings der Saal im Rathaus. Zum Ende waren es in erster Linie Mitglieder der Bürgerinitiative gegen das ECE, die den zum Teil kritischen Fragen von SPD und Grünen und den daraus resultierenden Antworten lauschten. 
CDU und Bürgergemeinschaft beschränkten sich ebenso wie die FDP auf einige wenige Fragen.
Besonders Gutachter Uwe Seidel vom Hamburger Büro Dr. Lademann und Partner stand dabei im Mittelpunkt des Interesses. 
Die beiden Gutachter Uwe Seidel (links) und Dr. Peter Hohle standen gestern den Ratsmitgliedern im Blauen Saal Rede und Antwort. Über 150 Interessierte verfolgten die mehrstündige Diskussion.
Er verwies in seinen Ausführungen auf „ein intensives Untersuchungsprogramm", mit dem man zu den gemachten Aussagen über die Verträglichkeit des Einkaufscenters zur Soester Innenstadt gekommen sei.
„Ich glaube fest daran, dass es möglich ist, dass Center mit der Innenstadt zu verknüpfen", schlussfolgerte er. 
Gleichzeitig aber nahm er die Soester Kaufmannschaft in die Pflicht, sich dem möglichen Wettbewerb zu stellen: „In den kommenden fünf Jahren haben sie die Chance, die Innenstadt so fit zu machen, dass sie mit dem ECE zu einer Einheit wird."
Dennoch werde es bei diesem Prozess nicht nur Gewinner geben. 
Seidel: „Der Wind wird schärfer. Und ganz ohne Schmerzen wird es nicht abgehen.
Es ist nicht auszuschließen, dass einzelne Betriebe, die nicht wettbewerbsfähig sind, aus dem Markt fallen werden."
„Ganz ohne Schmerzen wird es nicht abgehen." Gutachter Uwe Seidel
Besonders von Seiten der Opposition wurde das Zahlenmaterial, das die Gutachter für ihre Expertise zugrunde gelegt haben, angezweifelt. 
Zudem warf man dem Hamburger Büro vor, die falschen Fragen gestellt zu haben, um ein Ergebnis zu erhalten, dass vor allem dem ECE als Auftraggeber gerecht werde.
Seidel: „Wir haben einige Hundert Gutachten erstellt. Wenn es darunter auch nur ein einziges Gefälligkeitsgutachten geben würde, wäre unser Ruf am Markt nachhaltig zerstört."
Ins „Kreuzverhör" wurde auch Dr. Peter Hohle von der Aachener Ingenieurgruppe IVV genommen. Der Verkehrsgutachter hat drei mögliche Varianten für die kommende Verkehrsführung untersucht.
Die sowohl vom Gutachterbüro als auch vom ECE und der Stadtverwaltung favorisierte Lösung sieht bekanntlich eine Unterbrechung der bisherigen Binnerwälle vor. Dr. Hohle: „Es wäre natürlich die beste Lösung, wenn der Ring bleibt. Aber dann ist eine unmittelbare Anbindung des Centers an die Fußgängerzone nicht möglich."
Vor diesem Hintergrund sei die entwickelte Variante eine vertretbare und auch gute Lösung.


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